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Kurzrezensionen seit 2020

Bekenntnisliteratur in Erfahrung der kapitalistischen Moderne

Albert Camus, Der Fall, Rowohlt 48-2016.

Roman von 1956 über eine „atemberaubende Beichte“ (Klappentext). Der Staranwalt Jean-Baptiste Clamence rechnet mit seinem Leben ab; Geltungssucht und Eitelkeit reflektiert er als wesentliche Antriebskräfte für sein scheinbar tugendhaftes Leben. Clamence schmeißt seinen Job und begibt sich in Ausschweifungen, um endlich Wahrhaftiges zu erleben. Botschaft des Romans: Keiner ist frei von Schuld, auch nicht der Tugendhafte. Dabei ist sich der Ich-Erzähler sicher, dass „man nicht sterben kann, ohne all seine Lügen eingestanden zu haben“ (S. 75). – Die Sprache beherrscht an einigen Stellen nicht die Komplexität, sondern verfängt sich im Unklaren; aber die Idee ist so fesselnd, dass man das überlesen kann.

Die 1976 gegründete Punkband „The Fall“ benannte sich nach dem Roman. Hier 2008 in London (Wikipedia, 18.04.2022).