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„Alles Denken ist ihnen verhasst. Sie pfeifen auf den Menschen!“

Ödön von Horvath, Jugend ohne Gott, dtv 7-2019.

„Alles Denken ist ihnen verhasst. Sie pfeifen auf den Menschen!“ (S.19), beschreibt ein Lehrer seine vom Nationalsozialismus zum Fanatismus erzogenen Schüler. Der Lehrer kämpft „um Humanität in einem totalitären Staat“ (Buchrücken) in einer Geschichte um einen Mord an einen Schüler; einige Schüler nehmen sich an seiner Aufrichtigkeit ein Beispiel. Beeindruckend: Ohne Adjektive, stets in kurzen Hauptsätzen und mit einfachen Vokabular erscheint der Roman lange wie eine Sprachlernbuch auf B1-Level – aber zum Schluss weiß der Leser, warum der Verlag den Text zu den „wichtigsten Werken der klassischen Moderne“ erklärt. Antifaschistischer Roman von 1937 (wobei der Roman keinem Antifaschismus das Wort redet, der sich aus dem altlinken Faschismusbegriff von Georgi Dimitroff ableitet).